10 Tipps für eine (fast) perfekte Bewerbung!

Gibt es eigentlich die perfekte Bewerbung? „Nein!“ Mit diesem Statement könnte ich den Artikel jetzt eigentlich beenden, aber wie immer muss ich noch ein bisschen mehr Senf dazugeben. Die Frage nach der perfekten Bewerbung ist eine der häufigsten, die ich so gestellt bekomme. Nirgends im Bewerbungsprozess scheinen Bewerber und Personaler sich bisher so einig zu sein: Je förmlicher und seriöser, desto höher die Chance, dass man in den weiteren Bewerbungsprozess kommt. Manchmal wundere ich mich schon, dass es für Bewerbungen noch keine ISO-Zertifizierungen gibt :-).

Der Ist-Zustand

Also halten wir kurz inne und werden uns des Ist-Zustandes bewusst: Klassischerweise werden in einer Bewerbung Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse erwartet. Der Spielraum für Kreativität, Persönlichkeit und das wahre Ich des Bewerbers haben dort meistens nicht viel Platz. Selbst in einem Anschreiben werden in der Regel nur die bekannten Floskeln verwendet. Hält man sich an diese Vorgaben, macht man zumindest nichts falsch, jedoch sticht man aus der Bewerbermasse auch nicht wirklich hervor.

Wie die perfekte Bewerbung also auszusehen hat, hängt (leider) von vielen Faktoren ab. Gehört man zu den „Top-Fachkräften“, die überall händeringend gesucht werden (hier verweise ich mal auf einen interessanten Artikel, wer denn diese „Top-Fachkräfte“ sind), dann würde sicherlich ein leeres Blatt ausreichen, auf dem steht: Ich bin Entwickler. Ich kann Java. Das alleine führt bei vielen Personalern zu hektischen roten Flecken, denn man hat ja vielleicht einen Java-Entwickler gefunden. Möchte man vielleicht eine Stelle bekommen, die erfahrungsgemäß von vielen Bewerbern heiß begehrt ist, dann ist der eher klassische Weg, den ich oben beschrieben habe, der richtige (bspw. als Assistentin). Ist man Mediengestalter, kämpft man mit hunderten von anderen seines Berufsbildes um eine freie Stelle. Hier gilt die Devise: Auffallen! Und das ist dann sogar erwünscht, denn von einem kreativen Menschen erwartet man eine kreative Bewerbung.

Weitere Einflussfaktoren

Hinzu kommen noch Faktoren wie: Bewerbe ich mich auf eine ausgeschriebene Stelle oder initiativ? Oder bereite ich meine Unterlagen nur vor, weil ich von einem Recruiter aktiv auf eine Stelle angesprochen wurde und meine Vita nun zur Verfügung stellen möchte. Ihr seht: So einfach kann man die perfekte Bewerbung nicht definieren, es gibt zu viele Einflussfaktoren.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Bewerbung ein Kommunikationsmittel ist. Zwei Menschen „reden“ miteinander. Kommunikation ist ja bekannter Weise eine Sache für sich. Zwischen Erwartung, persönlichen Empfindungen und der Sache an sich liegen oft Welten.

Eins haben allen Szenarien aber gemeinsam: Es agieren Menschen. Menschen haben Emotionen. Sie können sich freuen wie kleine Kinder und sie können lachen. Da ich einen emotionalen Ansatz in der Personalwelt lebe und mir dies auch mehr und mehr im Recruitingprozess wünsche, habe ich Euch die wichtigsten Punkte auf dem Weg zu einer vielleicht perfekten Bewerbung zusammengestellt. Diese Punkte gelten insbesondere für die, die aktiv einen Job suchen und sich selber um eine Arbeitsstelle bemühen. Alle anderen können sich entspannt zurücklehnen, denn wer aktiv auf einen Job angesprochen wird, kann mit seinen Bewerbungsunterlagen nicht mehr viel falsch machen. Ein Anschreiben braucht man dann schon mal gar nicht. Wenn aktiv um einen „gebuhlt“ wird, gibt es keinen Grund mehr zu erklären, warum man der Beste, Tollste und Schönste ist. Für alle anderen gilt:

Mit 10 Punkten auf dem Weg zur perfekten Bewerbung
  1. Bewerbungs-No-Go!

    Es gibt nichts Schlimmeres als Rechtschreibfehler und Formatierungsfehler. Auch wenn diese menschlich sind und sicherlich mal passieren können: Sucht man einen Job, sollten Fehler nicht passieren! Fragt gute Freunde, die einen Blick auf die Unterlagen werfen können. Fehler dieser Art sind schon etwas respektlos dem gegenüber, der die Bewerbung dann lesen soll. Man stellt sich zwangsläufig die Frage, ob davon auszugehen ist, dass der Bewerber im Job auch so arbeitet? Was auch nervt, sind bspw. Lebensläufe, die mit einer leeren weißen Seite enden. Da hat dann wohl jemand vergessen, diese raus zu löschen.

  2. Die Bewerbungsform!

    Bitte, bitte, bitte: Keine Bewerbungen per Post! Wir arbeiten heute alle digital, demnach sind auch alle Prozesse digital. Bewerbungsmappen haben dort nichts verloren. Stellt Euch vor, wie viel Zeit verloren geht, wenn man Unterlagen per Hauspost durch ein Unternehmen jagt! Papier ist zwar geduldig, aber da hört meine Geduld dann auf. Daher schenke ich dieser Bewerbungsform auch keine Aufmerksamkeit mehr – vom Umweltschutz mal ganz abgesehen.

  3. Der Lebenslauf! 

    In einem gut zu lesenden Lebenslauf sollte die aktuelle Tätigkeit immer ganz oben stehen und die Vita chronologisch absteigend sein. Personaler ticken so. Außerdem sind Angaben zum Familienstand (gerne darf man auch die Namen der Kinder angeben) und zu Hobbys gerne gesehen. Das gibt die persönliche Note! Natürlich sind die Angaben nicht ausschlaggebend, wenn es um eine Entscheidung geht, aber im Falle eines Termins bietet es eine tolle Gesprächsgrundlage und macht Euch menschlicher.

  4. Das Bewerbungsbild!

    Ich persönlich kann die Diskussion rund um das Thema „Anonymisierte Bewerbungen“ nicht mehr hören. Sicherlich kann man eine fachliche Chancengleichheit herstellen, aber heutzutage ist das Fachliche nicht alleine einstellungsentscheidend! Es sind die sozialen Skills, der Mensch, der immer mehr auch als solcher im Job gesehen wird. Und das ist auch gut so. Sympathien spielen, privat UND beruflich NATÜRLICH eine Rolle. Also: Bitte immer mit Bild bewerben. Das gibt der Geschichte, die Du in Deiner Bewerbung erzählen möchtest, ein Gesicht!

  5. Die Bewerbungsdatei!

    Ich mach es an der Stelle kurz. Fügt bitte Eure komplette Bewerbung als eine PDF-Datei zusammen. Das Durchklicken von unzähligen Anhängen hat noch keinem Spaß gemacht. Gebt der Datei einen einfachen Namen wie „Bewerbung Christiane Beulen“.

  6. Das Bewerbungsanschreiben!

    Hier könnte ich einen eigenen Blogbeitrag zu schreiben (gute Idee, hole ich nach :-)). Bitte verwendet keine Floskeln. Schreibt die Person, die namentlich als Ansprechpartner erwähnt wird, auch mit ihrem Namen an. Der, der die Bewerbung liest, sollte unbedingt das Gefühl haben, dass Ihr auch genau mit ihm kommuniziert – quasi als wäre es die einzige Bewerbung, die Ihr verschickt habt. Ein Massenanschreiben langweilt und nervt irgendwann auch. Daher: Werdet hier gerne kreativ, bezieht Euch auf Punkte in der Stellenanzeige und vermeidet Konjunktive wie „Ich würde mich freuen, Sie persönlich kennenzulernen“. Würdet Ihr Euch freuen? Nein, Ihr freut Euch! Also schreibt es auch so. Wenn Ihr damit Probleme habt: Es gibt auch Firmen, die sich auf das Schreiben von Bewerbungen spezialisiert haben oder es als Dienstleistung anbieten (Ticonex  oder Bewerbungsschreiber).

  7. Die dritte Seite!

    Hä? Was für eine dritte Seite? Ja, so nennt man die Seite, die nach dem Anschreiben und nach dem Lebenslauf folgt (folgen kann). Das ist kein Muss, ich liebe sie aber. Hier könnt Ihr mal so richtig auf den Putz hauen, was Eure Person angeht. Und: Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Inhaltlich und optisch darf es bunt werden.

  8. Du in der Bewerbung!

    Wer Euch in der Stellenanzeigt duzt, den dürft Ihr auch duzen. Ganz einfach. Werdet Ihr gesiezt? Dann wäre das Sie als Antwort die richtige Wahl.

  9. Die Bewerbungsanhänge!

    Damit meine ich das ganze Papiergedöns, das Ihr im Laufe Eures Berufslebens gesammelt habt (Zertifikate, Bescheinigungen, Zeugnisse, Beurteilungen). Gehört das alles in die Bewerbung? Von mir ein klares nein! Ich habe vor kurzem eine Bewerbung erhalten mit 56 Seiten. War dann schon eher ein Buch :-). Personaler interessiert das, was möglichst aktuell ist. Bei Azubis sollten die letzten beiden Schulzeugnisse beigefügt sein. Bei „Älteren“ die letzten beiden Arbeitszeugnisse. In der Summe finde ich, dass die Anzahl der Unterlagen einstellig bleiben sollte. Vielleicht fügt Ihr noch die Anhänge bei, die Euch persönlich wichtig sind. Das Abizeugnis interessiert 15 Jahre später auch nur noch wenig. Ansonsten melden sich die Personaler auch, wenn sie „mehr“ sehen wollen.

  10. Die Bewerbungsmail!

    Insofern Ihr ein individuelles Anschreiben getextet habt, gibt es zwei Möglichkeiten: Variante A: Das Anschreiben fällt aus dem Bewerbungs-PDF raus und wird der Text in Eurer E-Mail. Variante B: Das Anschreiben bleibt, wo es ist. Dann reicht es aus, in der E-Mail 1,2 kurze Sätze an den Personaler zu richten. Viele Bewerber haben den Text doppelt drin, sowohl in der Mail als auch im PDF, das wäre dann ein Mal zu viel!

Ja, wie Ihr seht: Zu diesem Thema könnte ich wohl wirklich ein Buch schreiben. Da werden auch 10 Tipps schon mal ein paar Sätze mehr. Die Bewerbung ist nun mal der erste Eindruck und entsprechend viel Mühe sollte man sich hier auch geben. Wenn Euch das Thema aber zu heikel ist, dann greift lieber auf professionelle Hilfe zurück. Das ist sogar steuerlich absetzbar und hilft Euch, schneller an den Traumjob zu kommen. Zudem können Profis besser einschätzen und entsprechend beraten, wie kreativ und „anders“ eine Bewerbung sein darf, weil sie Euch und Eure Wünsche kennenlernen. Ansonsten: Traut Euch was! 🙂

(Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwende ich die maskuline Form in meinem Text.)


Das ist Recrutainment – Natürlich und mit Spaß!

Schlechtes Beispiel für Recruiting!

Ein toller Artikel, den ich Euch hier zeigen möchte! Er spricht mir aus dem Herzen, der Seele und dem Rest von mir :-)! Leider sieht die Wahrheit genau so aus und die Zeilen entsprechen genau meinen Erfahrungen. Wenn ich im Netz potenzielle neue Mitarbeiter anspreche, dann erhalte ich als Antwort oft: Danke, dass Du Dir die Mühe machst und mich individuell anschreibst. Ansonsten hätte ich auch nicht geantwortet. Einheitsbrei ist einfach langweilig und vor allem führt es nicht zum Ziel! Also: Seid lieb zu Euren Bewerbern!

 

http://t3n.de/news/it-recruiting-fuer-recruiter-622588/

Beeindruckend, wie sehr sich eine Stellenanzeige anstellen kann!

Für mich ist die Stellenanzeige das größte Rätsel in der HR-Landschaft. Man kann nirgends so viele Menschen vergraulen wie mit einer falschen Stellenanzeige. Aber fangen wir mal vorne an.

Die Anfänge

Ich als nicht “gelernte“ HRlerin habe mir natürlich in meinen Anfangszeiten bei anderen Unternehmen abgeschaut, wie eine echte deutsche Jobanzeige auszusehen hat. Konservativ, höchst sachlich und bitte ohne jegliche Zugabe von Emotionen. Bewerberabschreckend eben. Aber da ich es nicht anders wusste, habe ich mich natürlich dem Grau in Grau der Texte angepasst, weil „macht man eben so“. Zwischendurch hatte ich dann immer mal Geistesblitze und habe mir Fragen gestellt wie: Muss man als Anforderung wirklich Teamfähigkeit niederschreiben oder Freundlichkeit explizit erwähnen? Wer sagt denn schon von sich, dass er ein ungehobelter und schlecht erzogener Egozentriker ist, der das autistische Dasein fernab von menschlichem Miteinander schätzt? Ja, vielleicht gibt es solche Menschen! Aber möchte ich diesen kleinen Personenkreis jetzt ansprechen oder suche ich eher die Personen, für die Freundlichkeit und Teamfähigkeit das Normalste der Welt sind. Die, für die ein harmonisches und freundschaftliches Miteinander das A und O im Job ist? An dieser Stelle sei nämlich mal aus dem Recrutainer-Nähkästchen geplaudert: Nach knapp 1000 Bewerbergesprächen habe ich bis heute niemanden gefunden, der Gehalt oder fachliche Inhalte an den zukünftigen Job als Erstes nennt, wenn ich denn nach dem “Traumjob“ frage. Es sind eben die weichen Faktoren, die unsere Generation glücklich machen: Gute Atmosphäre, Teamzusammenhalt und das Gefühl, gerne seinen Job zu machen. Wir gehen zur Arbeit, weil aus Kollegen Freunde werden (können).

Die Bullet-Points

Der nächste Punkt, der ganz klar unter die Rubrik No-Go fällt, ist, das Anforderungsprofil an die Bewerber im Bullet-Point-Style zu verfassen. Bei meinen Recherchen zu Stellenanzeigen fand ich doch wirklich eine, bei der ein Unternehmen 14 Bullet-Points aufzählte. 14, meist fachliche, Kriterien muss man als Bewerber auch erst mal erfüllen. Ich war schon nach Punkt 5 verschreckt! Ich empfinde diese Variante der Stellenanzeige als höchst respektlos! Haben wir denn nicht alle im Deutschunterricht gelernt, dass ein Satz aus Subjekt, Prädikat und Objekt besteht? Und wir, als Arbeitgeber, bringen unseren potenziellen neuen Mitarbeitern nicht einmal den Respekt entgegen, in ganzen Sätzen mit ihnen im ersten Kontakt zu kommunizieren? Unglaublich. Das wäre in etwa so, als würde ein Unternehmen auf seine Werbebanner schreiben: Lieber Kunde da draußen, kauf lieber bei der Konkurrenz. Denn wir wissen nicht, wie man mit Kunden richtig umgeht. Dass so eine Respektlosigkeit dann auch noch aus Personalabteilungen kommt, ist eigentlich schon Ironie – dort, wo man sich besonders um Menschen kümmert. Ist klar!

Wie macht man es besser?

Aber wieder zurück zur Stellenanzeige. Das Gefühl in mir reifte, dass hier etwas falsch läuft. Es fiel mir irgendwann richtig schwer, diese bürokratischen Anzeigen im Stil von „haben wir immer schon so gemacht“ zu verfassen und ich fragte mich mal wieder: Christiane, was würde Dich denn anmachen? Die Antwort war schnell klar. Ich würde mir als Bewerber eine Anzeige wünschen, die mich als Menschen sieht und mich auch etwas zum schmunzeln bringt, denn auch ich lege Wert auf die bereits genannten weichen Faktoren. Abschreckende Aufzählungen von kilometerlangen Anforderungspunkten sollten Texten weichen, die Lust machen, das Unternehmen kennenzulernen. Natürlich gibt es immer Menschen, die mir da widersprechen und weiterhin an Altbewährtem festhalten. Das ist auch völlig ok, denn jeder muss seinen Weg finden. Ich kann nur immer wieder betonen, dass es für die Arbeitgebermarke von großem Vorteil ist. Vor allem aber für die Menschen, denn ein wenig Respekt hat auch im Bewerbungsprozess noch nie geschadet.

Feedbacks von Bewerbern:

„Der unverkrampfte und frische Umgangston in Eurer Stellenanzeige hat mich begeistert!“

„Wow, selten hat mich eine Stellenanzeige so in seinen Bann gezogen.“

„So eine Stellenanzeige habe ich bisher noch nie gesehen. Sehr gut.“

Eigentlich ist es so einfach, eine Stellenanzeige zu konzipieren, die sich eben nicht anstellt. Ob nun im Du-Style (wie bei mir) oder im Sie-Style geschrieben.

 Tipp:

  1. Sucht keine eierlegenden Wollmilchsäue. Haltet die Texte vom Berufserfahrungsgrad eher offen, so erweitert Ihr den Bewerberkreis und vielleicht ist das ein oder andere Talent dabei!
  2. Denkt an “Subjekt, Prädikat und Objekt“. Bildet ganze Sätze, denn in eben diesen Sätzen schwingt so viel von Eurer Unternehmenskultur mit – Employer Branding!
  3. Skills, die man einem Menschen mit einigermaßen guter Erziehung voraussetzt, sollten außen vor bleiben. Konzentriert Euch lieber auf die wirklich wichtigen Fähigkeiten, die Eure Stelle vielleicht auch besonders machen!

Das ist Recrutainment – Natürlich und mit Spaß!