Wie wird man eigentlich Atlassian Consultant?

Ein Interview mit dem Atlassian-Experten Philipp Sendek

 

Wer kennt sie nicht – die Welt der Atlassian Produkte? In IT-Unternehmen gehören die Arbeit mit Jira, Confluence oder HipChat zum Alltag. Aber auch in anderen Branchen halten immer mehr Produkte aus der Atlassian Welt ihren Einzug – und das ist auch gut so: sie erleichtern unzählige Prozesse und sind einfach in der Handhabung. Keine Angst, dies wird keine Werbeveranstaltung für Atlassian, das haben sie auch gar nicht nötig. Ich möchte heute ein viel spannenderes Thema aufgreifen: Jobs, die im Zusammenhang mit Atlassian-Produkten entstanden sind und ebenso vielfältig sind wie die Produkte des australischen Software-Anbieters. Viele wissen leider gar nicht, dass es solche Jobs gibt.

Dazu habe ich Philipp gefunden. Philipp liebt, was er tut und solche Menschen faszinieren mich ja eh immer. Er hat bereits das Einsteigerhandbuch JIRA für den Rest von uns ins Deutsche übersetzt und ist absoluter Profi in seinem Job!

 

Philipp, wie nennt sich Dein Jobtitel? Atlassian-Versteher?

*lacht* Also offiziell ist es Senior Atlassian Consultant. Bei brainbits unterscheiden wir im Atlassian-Team hauptsächlich zwischen Atlassian Consultant (oder Berater) und Process Consultant. Ersterer hat einen stärkeren Fokus auf die Tools inklusive Installation, Implementierung und Administration; hier spielt auch technisches Fachwissen eine wichtige Rolle, welches für diese Aufgaben erforderlich ist.
Der Process Consultant hat wiederum den Schwerpunkt in der Prozess-Beratung, wo wir natürlich häufig auf die Atlassian-Tools zurückgreifen, uns jedoch nicht darauf versteifen. Diese Rolle wird unter anderem von unserem Geschäftsführer Patrick Schuh ausgeführt und kann eher als „Business“- und weniger als Technik-Rolle gesehen werden.

Alles in Allem kann man uns als Problemlöser oder Optimierer sehen.

 

Wie sieht ein klassischer Arbeitstag bei Dir aus (nach dem ersten Kaffee)?

Puh, ein typischer Tag… Tatsächlich ist der Job so abwechslungsreich, dass es schwierig ist, einen typischen Tag herauszupicken. Im Grunde hängt es immer von den aktuellen (Kunden-)Projekten und den daraus hervorgehenden Aufgaben zusammen.
Wenn ich einen Kundentermin habe, sind diese meistens ganztägig, ich mache mich also auf den Weg zum Kunden, die in der Regel im Umkreis von Köln oder im Ruhrgebiet angesiedelt sind. Beispiele für diese Termine sind:

  • Schulungen, die wir für JIRA und Confluence sowie Endanwender und Administratoren abhalten können
  • Workshops, in denen konkrete Themen, die der Kunde vorgibt, durchgearbeitet werden. Beispielsweise wie ein Ausrollen der Atlassian-Tools im Unternehmen aussehen kann, oder wie man mit Hilfe von JIRA und Confluence die Vorgaben der ISO9001 umsetzen kann.
  • Initiale Installationen der Atlassian-Tools beim Kunden.
  • Eine Mischung aus Schulung, Workshop und ggf. einer vorausgehenden Installation der Applikationen.

Steht kein Kundentermin an, fahre ich entweder ins Büro oder arbeite vom Home Office aus. Da wir sowohl eine gesicherte Verbindung (VPN) in unser Büro, als auch zu den meisten Kunden haben, sind wir hier sehr flexibel was den Arbeitsstandort betrifft. Da ich in Oberhausen wohne, kommt mir das natürlich entgegen.

In diesem Fall stimme ich mich morgens mit meinen Kollegen ab und arbeite dann an den offenen Themen aus meinen Kundenprojekten. Das können dann Dinge sein wie:

  • offene Fragen per Mail beantworten
  • Support-Anfragen meiner Kunden beantworten oder Kollegen unterstützen
  • Konfigurationen vornehmen
  • Installationen ausführen
  • Entwicklung von Automationen mittels Scripts

Ansonsten bin ich seit letztem Jahr auch für Atlassian selbst als Fach-Experte für die Entwicklung der offiziellen Zertifizierungen tätig und wurde zum Technical Lead für die Zertifizierung „Atlassian Certified Administrator“ ernannt. Dadurch ergibt sich eine spannende Kooperation mit Kollegen von Atlassian und anderen Partnern aus den USA.

 

 3 Punkte, die Dich an Deinem Job besonders erfüllen?

  • Die Abwechslung und Arbeit mit verschiedenen Menschen und Unternehmen verschiedener Branchen. Selten gleicht ein Kunde dem anderen, die Erfahrung bei dem einen Kunden hilft jedoch häufig dabei, die Probleme von neuen Kunden zu lösen oder entsprechende Optimierungen vorzuschlagen.
  • Es ist immer ein großartiges Gefühl am Ende des Tages, wenn man einem Kunden eine richtig gute Lösung bereitgestellt oder ein hartnäckiges Problem gelöst hat. Durch die Flexibilität der Applikationen ist sehr viel möglich, was es manchmal auch verdammt komplex macht. Umso besser ist dann das Gefühl, wenn man es erfolgreich abgeschlossen hat.
  • Die Flexibilität bei Arbeitszeit und Arbeitsort. Durch die Kernarbeitszeit von 10 – 16 Uhr und die Standortunabhängigkeit vieler Tätigkeiten hat man sehr viele Freiheiten, die man in anderen Jobs oder bei anderen Arbeitgebern nicht hat. Natürlich geht damit auch eine große Verantwortung einher. Es spricht aber auch nichts dagegen, den üblichen 9-17 Uhr Tag im Büro zu haben.

 

Wann wusstest Du, dass Atlassian-Themen und Du zusammengehören? Gab es da ein „Aha-Moment“?

Gute Frage. Ich bin über einen vorigen Job, in dem ich als System-Administrator bei einem anderen Atlassian-Partner tätig war, das erste Mal mit den Atlassian-Applikationen in Kontakt gekommen. Nach einem Arbeitgeberwechsel habe ich vereinzelt unsere Entwicklungsteams bei Konfigurationen unterstützt, da die offizielle Stelle recht langwierige Prozesse hatte.

Da ich dort allerdings schon als interner Berater in technischen Themen tätig war, kam das Angebot eines namhaften Unternehmens in der Atlassian-Welt, Atlassian Berater zu werden, sehr gelegen.

Und tatsächlich kann ich in dieser Rolle sehr viele meiner Stärken, wie u. a. Beratung, Arbeiten in der System-Administration, Programmierung und Koordinationsfähigkeit einbringen.
Gerade in einem Team wie unserem gibt es keine Scheuklappen: Wenn es bestimmte Dinge gibt, die jemand gut kann, versuchen wir die Aufgaben auch so zu planen, dass diese Themen bevorzugt bei der Person landen. So gebe ich Programmieraufgaben beispielsweise nicht immer direkt an einen Entwickler weiter, sondern kann – im Rahmen meiner Möglichkeiten – selbst Hand anlegen und damit den Prozess im Sinne des Kunden massiv beschleunigen.

 

Was ist Dein beruflicher Background?

Ich bin gelernter Fachinformatiker mit Fachrichtung System-Integration und dem Fokus auf Linux, habe allerdings auch geraume Zeit Windows-Systeme betreut. Später war ich dann als Linux-Administrator und anschließend Technical Project Manager mit starkem Bezug zum Operations Management tätig. Seit 2014 bin ich Atlassian Consultant.

 

Welche Voraussetzungen sollten Menschen mitbringen, um ebenfalls einen Job wie Deinen machen zu können?

Das Wichtigste ist natürlich, dass die Person gerne mit Menschen zusammenarbeitet und gut im Umgang mit Kunden ist. Quasi das sogenannte „Berater-Gen“ hat.
Dann ist es als technischer IT-Consultant natürlich unabdingbar einen ausgeprägten technischen Hintergrund, idealerweise im Bereiche der Systemadministration, zu haben. Und da es viel um Prozesse geht, sollte ein souveränes Verständnis für prozessuale Sachverhalte vorhanden sein. Als Prozessberater hingegen ist der administrative Background nicht wichtig. Man muss also zum Beispiel keine Linux-Konsole beherrschen oder virtuelle Maschinen aufsetzen. Stattdessen stehen die Fähigkeit, sich schnell in neue Zusammenhänge einzudenken, Anforderungen im Gespräch mit dem Kunden zuverlässig herausarbeiten zu können und Erfahrungen im Analysieren und Modellieren von Prozessen im Vordergrund. Und natürlich – ganz praktisch – die Fähigkeit, sich in die Möglichkeiten und Konfigurationen von Software-Tools schnell einarbeiten zu können und diese entsprechend der Anforderungen der Kunden zu neuen Lösungen zusammenzusetzen.
Da wir häufig beim Kunden vor Ort arbeiten, ist auch eine gewisse Reisebereitschaft erforderlich. Hier versuchen wir jedoch – im Interesse des Teams und unserer Familien – die Kunden regional zu halten; Wir haben zwar auch jetzt Ausnahmen, diese haben wir jedoch bewusst gewählt, weil der Kunde oder die Branche uns gereizt hat.

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