Keine Chance dem Headhunter!

Keine Chance dem Headhunter!

Nach meinem letzten Blogbeitrag habe ich sehr viel Feedback bekommen. Leider haben Eure Rückmeldungen meine Erfahrungen aus meinem Selbstversuch bestätigt. Viele haben mich gefragt, ob man sich vor diesen Anfragen nicht irgendwie schützen kann. Man kann. Wer wirklich nicht auf Jobsuche ist, kann dies über sein Xing-Profil auch zum Ausdruck bringen.

Daher fasse ich für Euch heute die wichtigsten Regeln zusammen, damit Ihr bei Xing „Ruhe“ habt, aber die Plattform für Euer Networking trotzdem weiter nutzen könnt.

Ist schon ein bisschen verrückt, dass ich Euch als Recrutainerin Tipps gebe, wie Ihr Euch Menschen wie mich vom Leib halten könnt. Aber zum Schluss haben ja alle etwas davon. 🙂

In Eurem Xing-Profil befindet sich oben rechts ein Kästchen. Hier entscheidet sich nun, ob Euer Postfach von Headhuntern, Recruitern oder Personalvermittlern zugemüllt wird oder nicht:

Xing1

 

  1. Im Reiter ProJobs-Einstellungen wählt Ihr als Jobstatus „Derzeit kein Interesse an Jobangeboten“. Einige Headhunter akzeptieren das und schreiben Euch nicht weiter an. Da dieser Status leider oft nicht aktuell ist, denken sich andere aber auch: Why not: Ich probiere es trotzdem mal.
  2. Idealerweise gebt Ihr hier keinen Gehaltswunsch an, denn dieser könnte ja folgendermaßen interpretiert werden: Sucht zwar nicht, aber wenn man genug bietet, dann will er oder sie vielleicht doch einen neuen Job? Alternativ gebt einfach eine utopische Summe an ;-).
  3. Widmen wir uns den „Einstellungen/Privatsphäre“. Geht hier in den Bearbeitungsmodus und sucht unter Profileinstellungen den letzten Punkt. Entfernt den Haken bei „Mein Profil darf auch für Nicht-Mitglieder abrufbar sein“. So sehen Eure Daten nur noch Eure direkten Kontakte, die Ihr ja logischerweise selber bestätigt habt.
  4. Bei „Allgemeine Einstellungen“ solltet Ihr bei „Nachrichten schreiben dürfen“ auswählen, wer Euch Mitteilungen senden darf. Ihr habt nun die Wahl, ob nur die direkten Kontakte oder vielleicht weitere Personen Euch Post schicken können. Headhunter haben dann definitiv keine Chance mehr, Euch mit Mails zuzuspammen.
  5. Natürlich gehen dann viele Recruiter folgenden Weg: Sie senden Euch direkt eine Kontaktanfrage. Hier ist es ein Einfaches, diese abzulehnen.
  6. Ja, ich merke es schon. Ihr kennt diese Tricks und es mogeln sich immer noch Jobangebote zu Euch durch? Im schlimmsten Fall rufen Sie einfach auf der Arbeit an? Ok, dann müssen drastischere Maßnahmen her. Bearbeitet in Eurem Profil den Bereich „Ich suche“. Hinterlasst dort eine Info, dass Ihr keinen neuen Job sucht. Gerne auch auf Deutsch und Englisch, damit es auch der oder die Letzte versteht.
  7. Noch deutlicher und besser gesehen wird die Info, wenn Ihr diese direkt in Eurem Bereich „Über mich“ eintragt.

Leider ist dieser Abwehrmechanismus nur dann erfolgreich, wenn Ihr alle Punkte umsetzt. Headhunter finden sonst immer eine Ausrede, Euch doch anzuschreiben. Seht es uns aber nach, denn auch wir machen nur unseren Job. 🙂

Hilft alles nichts?

Sollten es aber weiterhin Anfragen in Euren Postkasten schaffen, müsstet Ihr Euch eigentlich mal den Spaß erlauben und mit dem Verfasser in Kontakt treten. Findet das Unternehmen heraus, für das er oder sie sucht. Ich persönlich würde dann dort mal hinterfragen, ob so nervige Anfragen im Sinne des Auftraggebers sind?! Ein Recruiter ist schließlich die erste Kontaktperson zur Firma und sollte entsprechend auftreten. Alle „Stopp, ich möchte nicht angeschrieben werden-Zeichen“ zu übersehen und einfach nur zu nerven, passt da sicherlich nicht ins Unternehmensbild.

Und damit Ihr am Ende noch etwas zum Schmunzeln habt, habe ich Euch die lustigsten Einträge, die ich bei Xing gefunden habe zum Thema „Ich suche KEINEN neuen Job“ hier zusammengefasst. Sie bringen jedenfalls den Willen der Person sehr klar zum Ausdruck.

Xing Headhunter

Und denkt dran: Wenn Ihr eines Tages doch eine neue Herausforderung sucht, macht den Abwehrmechanismus wieder rückgängig. Freut Euch dann, dass es uns, die Recruiter/Headhunter, gibt. Wir sind die Profis in Sachen Jobsuche. Der Eine mehr, der Andere weniger. 🙂


Das ist Recrutainment – Natürlich und mit Spaß!

 

Der Selbstversuch: Was schreiben mir Headhunter bei Xing?

Die Idee

Ich selber bekomme natürlich auch Jobangebote via Xing. Aber in welchem Ausmaße dies die heiß begehrten IT-Fachkräfte (und natürlich auch andere) zu Spüren bekommen, kann ich aus Erzählungen nur erahnen. Die Ausführungen von Freunden und Bewerbern haben mich neugierig gemacht. Also startete ich im Januar den dreimonatigen Selbstversuch und habe mir doch wirklich ein nicht erlaubtes Fake-Profil bei Xing zugelegt. Wer ich dort angab zu sein? Ein Softwareentwickler Java mit fünf Jahren Berufserfahrung in der Beratung, einem Uni-Abschluss und wohnhaft in Düsseldorf. Die ein oder andere moderne Technologie rundeten mein Profil ab. So, das war schnell gemacht. Nun hieß es: Warten. Ach ne. Warten war überflüssig, da schon am selben Tag die ersten Jobangebote ins Postfach flatterten. Die erste Aufregung um meine Person hatte sich aber schnell gelegt, so dass ich es in drei Monaten „nur“ auf 17 Nachrichten und 5 Kontaktanfragen geschafft habe.

Normalerweise zieht man ein Fazit am Ende eines Textes, aber ich muss es jetzt schon mal loslassen: Es war ernüchternd. Traurig. Einfallslos.

Die Fakten

Von den 22 Nachrichten war keine einzige von einem Inhouse-Recruiter dabei, sondern allesamt von Personalvermittlungsunternehmen, Headhuntern, HR-Consultants oder Recruitern mit den dollsten Namen, die sich alle sehr wichtig anhörten. Die Anfragen hatten eins gemeinsam: Die IT-Spürnasen sind spezialisiert auf die Vermittlung von Fach- und Führungskräften. Dies wurde auch in aller Deutlichkeit erwähnt. Also gab es hier keine Alleinstellungsmerkmale hinsichtlich der Firmenausrichtung. Es spezialisiert sich aber auch kein Unternehmen auf die Vermittlung von Schnarchnasen, oder? Ja, ja, ich weiß, dass Ihr jetzt an das Arbeitsamt denkt – böse, böse.

Nur eins der Unternehmen (aus Düsseldorf) war mir vom Namen her bekannt. Das war auch die einzige Anfrage aus meiner Region. Die restlichen Firmenadressen tummelten sich vor allem in Berlin und München, einige wenige im Norden. Interessant: Die wenigsten Personalvermittler suchten für Kunden aus ihrer Region. Im Gegenteil: Düsseldorf sucht für München, München für Düsseldorf.

Firmennamen meiner potenziell neuen Arbeitgeber wurden in keiner Mail verraten, aber alle meine zukünftigen Brötchengeber hatten eins gemeinsam: Innovativ, modern und auf der Suche nach ambitionierten Mitarbeitern. Das Übliche eben. Toll, dass es in Deutschland scheinbar nur so erstklassige Unternehmen gibt. Noch toller wäre es, wenn innovativ, modern und Co. sich auch in den Anfragen widergespiegelt hätten. Aber man kann ja nicht alles haben.

Die Firmen- und Tätigkeitsbeschreibungen unterschieden sich leider gar nicht. Ein Einheitsallerlei. Da fragte ich mich doch so manches Mal: An welchem Kriterium sollte ich nun ausmachen, dass genau dieses eine Unternehmen das Richtige für mich ist? Die mittels Copy & Paste mitgeschickten und anonymisierten Stellenprofile sahen leider auch alle irgendwie gleich aus. Vielleicht haben all diese Recruiter auch einfach für das gleiche Unternehmen gesucht? Könnte sein, muss aber nicht.

Die Fotos der weiblichen Headhunter (1/3 der Anfragen waren von Frauen) waren teilweise etwas „aufreizend“. Vielleicht sollten sie mich wuschig machen, um von dem monotonen Geschreibsel abzulenken?

Was mir besonders aufgefallen ist: Bis auf eine wirklich innovative und individuelle Ansprache, die aus der Masse hervorstach, stellten sich alle Absender sehr in den Vordergrund und fingen die Konversation an mit: Ich bin, ich heiße und ich suche. Wenn man sich nicht kennt, dann ist das ein guter Weg. Leider fehlte mir hier wenigstens im weiteren Text komplett das wirkliche Interesse an meiner Person. Ich hatte mehr das Gefühl, dass nicht ich wichtig war, sondern der Absender der Mail.

Die 10 häufigsten Floskeln
  1. Suchen Sie eine berufliche Herausforderung?
  2. Interesse an einer beruflichen Veränderung?
  3. Kommt eine berufliche Herausforderung in Frage?
  4. Ich habe Ihr interessantes Profil gelesen.
  5. Für meinen Mandaten suche ich…
  6. Für ein Unternehmen suche ich…
  7. Wir sind spezialisiert auf die Vermittlung von Fach- und Führungskräften.
  8. Schicken Sie mir Ihren Lebenslauf an xxx.
  9. Das Unternehmen sucht ambitionierte Mitarbeiter.
  10. Habe ich Ihr Interesse geweckt?

Ich habe mich gedanklich schon in ganz Deutschland arbeiten sehen, denn die Jobs wurden mir in allen Himmelsrichtungen angeboten. Ich konnte mich dann leider nicht ganz entscheiden: Lieber in die Berge? Ans Meer? Oder doch Berlin?

Fast etwas dreist empfand ich die häufige Aufforderung, meinen Lebenslauf direkt zuzusenden, ohne dass mein Interesse oder meine Gesprächsbereitschaft abgefragt wurden. Irritiert hat mich auch die Anfrage einer Assistentin, die für ihren Chef auf der Suche war (auch eine Personalvermittlung). Da machte sich der feine Herr also nicht mehr selber die Hände …., aber lassen wir das.

Da ich in den meisten Fällen nichts Konkretes zum Job erfahren habe, kann ich leider keine realistischen Zahlen nennen, ob es sich häufiger um Beraterjobs oder Inhouse-Stellen gehandelt hat.

Am Ende…

… bleibt mir nur diese eine Ansprache, die ich wirklich ansprechend, individuell und einfach nett fand. Mein persönlicher Strohhalm. Und weil er so nett war, habe ich auch gleich klargestellt, dass es mich gar nicht gibt :-).

Das ist dann wohl die trostlose Realität. Schade. Am Ende werden diese Massennachrichten mittels Copy & Paste aber Erfolg haben, denn einer meldet sich immer zurück.

Auch wenn ein wenig Ironie mitschwingt, ist es mir noch wichtig zu erwähnen, dass dies keine repräsentative Studie ist, sondern nur ein neugieriger Selbstversuch. Dieser soll die Arbeit anderer auch nicht in Frage stellen, sondern einfach zum Denken anregen. Jeder, der in meiner Branche unterwegs ist, sollte sich selber hinterfragen: Welche Art der Ansprache würde ich mir wünschen? Mir ist bewusst, dass natürlich ein gewisser Zahlen- und Erfolgsdruck dazu nötigt, diese Massenmails zu schreiben. Manchmal ist Qualität aber erfolgreicher als Quantität. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Bewerber dies zu schätzen wissen. Zum Glück!


Das ist Recrutainment – Natürlich und mit Spaß!

Kein Aprilscherz!

Offiziell starte ich erst heute in meine Selbstständigkeit. Ich hätte das Datum selber fast verschlafen, wenn mich nicht eine liebe Freundin darauf aufmerksam gemacht hätte.Und das ist kein Aprilscherz! Die Zeit verfliegt so schnell und die ersten tollen Bewerber sind bereits glücklich im neuen Job und haben ihren individuellen „Job-Glückskeks“ erhalten. Wow!

Daher möchte ich den heutigen Tag einfach mal nutzen, allen zu danken, die mich zum Start mit lieben Worten, Ideen, Feedbacks und Zusprache unterstützt haben. Und natürlich den Kunden und Bewerbern, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben. Das macht mich glücklich. Es ist einfach schön zu sehen, dass authentisches Recruiting und Klasse statt Masse sich auszahlt. Danke!

Brownies im Recruiting

Jetzt denkt Ihr Euch, was hat ein Brownie mit Recruiting zu tun?! Ich sage es Euch: Diese schokosüße Sünde verändert die Welt! Nicht nur Bewerber oder Personaler werden sich verlieben, sondern jeder!

An einem fiesen Montagmorgen muss man den Blick einfach auf das Wesentliche richten und das ist heute dieser Brownie-Traum.

10 Gründe, warum Ihr diesen Brownie lieben werdet
  1. Das erste Mal in Eurem Leben werdet Ihr Glück pur essen!
  2. Für alle, die nichts zu lachen haben: Danach lacht Ihr. Garantiert.
  3. Für alle, die eh schon viel lachen: Danach hört Ihr nie wieder auf zu lachen.
  4. Für Pessimisten: Ihr werdet zu Optimisten.
  5. Für alle Optimisten: Ihr müsst ein neues Wort erfinden, denn Optimismus reicht dann nicht mehr aus, um Euren Charakter zu beschreiben.
  6. Für alle, die traurig sind: Ihr werdet mindestens für einen Tag Eure Traurigkeit vergessen.
  7. Für alle, die glücklich sind: Ihr werdet Euer Glück mit einer eignen Brownie-Bäckerei krönen wollen.
  8. Für alle Unkreativen: Ihr werdet Euch danach sofort beim Chef melden und um eine Versetzung ins Marketing oder eine andere kreative Abteilung Job betteln, denn Euer Kopf sprudelt vor Ideen.
  9. Für alle Kreativen: Ihr werdet ein Wort- und Bildexplosion in Eurem Kopf erleben.
  10. Für alle anderen: Bevor Ihr zubeißt, fragt Euch, was Euer größter Wunsch ist. Er wird danach zweitrangig sein, denn Ihr wollt nur noch diesen Brownie!

Und hier kommt das Rezept zum Glück:

Heizt Eurem Ofen mit 180 Grad Umluft ein. Vermischt in einer Schüssel 150g Dinkelmehl mit 150g Rohrzucker, 50g Kakao, einem Teelöffel gemahlene Vanille, einem Teelöffel Zimt und einer Prise Meersalz.

Lasst im Ofen in einer feuerfesten Schale 150g Kokosöl flüssig werden und verrührt das Öl dann mit 150ml Mandeldrink (oder einem anderen Pflanzendrink) und einem Esslöffel Ahornsirup.

Trockene und feuchte Zutaten zum Schokoglück zusammenrühren und in eine kleine Auflaufform (ca. 14x20cm) füllen und für 30 Minuten im Ofen backen. Fertig.

Zu dem Rezept gibts noch eine Glasur, aber der Brownie ist bereits so absolut perfekt. Und die Zutaten gibts alle bei DM (Ups, Schleichwerbung, aber nicht jeder weiß, wo er Pflanzendrink und Co. herbekommt).

Für mich steht fest: Dieser Brownie wird ab sofort fester Bestandteil bei jedem Face to Face – Vorstellungsgespräch mit mir. Das wird ein Schokospaß!

Vielen Dank an Lea von veggi.es für das beste Rezept, das ich je zubereiten durfte!


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Umgang mit Bewertungen bei kununu

Treffender könnte ich es auch nicht beschreiben als es kununu selber schon tut: “Sie werden bewertet? Glückwunsch!“

Ich bin kein großer Freund von Statistiken und Zahlen. Ich greife lieber auf meine eigenen Erfahrungen zurück. So sehr ich mich auch anstrenge, fällt mir aus hunderten von Vorstellungsgesprächen spontan keins ein, in dem sich ein Bewerber nicht im Vorfeld über das Unternehmen informiert hatte. Wie? Über kununu. Jeder kennt kununu. Jeder liest kununu. Und: Dort Geschriebenes hält Jobinteressierte von einer Bewerbung ab oder ermutigt eben zu jener.

Als Arbeitgeber habe ich nun zwei Möglichkeiten:
  1. Ich ignoriere kununu. Das macht zwar keinen Sinn, aber wenn ich nicht auf Bewerber angewiesen bin, mir die Arbeitgebermarke egal ist, oder ich solchen Portalen kritisch gegenüber stehe, wäre es eine Idee. In meinen Augen eine unkluge Idee.
  2. Ich setze mich mit den Bewertungen aktiv auseinander. Lese. Lerne. Lobe.

Jeder Personaler sollte eins wissen: Egal mit welcher Frage zum Unternehmen Jobinteressierte die Suchmaschinen füttern, sie landen immer bei kununu. Also führt der Weg immer über das Arbeitgeberbewertungsportal, ob man will oder nicht. Eure Arbeitgebermarke kreiert sich also so oder so. Jetzt müsst Ihr entscheiden, ob Ihr Einfluss nehmen wollt.

Die Stellungnahme

Nun schlüpfe ich mal in die Rolle des Kritikers und finde, dass Bewertungen aller Art sowieso unehrlich sind. Es wird gelogen, Sachverhalte werden falsch dargelegt und bewusst Schlechtes geäußert. Ja, das kann passieren. So ist das im Leben. Aber es gibt immer zwei Seiten, die es zu betrachten gibt. Und weil kununu mitdenkt, gibt es die Möglichkeit für Arbeitgeber, Bewertungen zu kommentieren. So schaffe ich es, mit den Bewerbern in Kontakt zu treten. Wie? Ganz einfach: Erhaltet Ihr eine Bewertung von einem Mitarbeiter, Azubi oder Bewerber, könnt Ihr diese über die “Stellungnahmefunktion“ kommentieren und zwar kostenlos. Genial.

Was schreckt Bewerber ab?

Schlechte Bewertungen schrecken Bewerber gar nicht so sehr ab. Sie sind mündige Menschen, die sehr wohl unterscheiden oder herauslesen können, ob Bewertungen aus Wut, Enttäuschung oder sachlich verfasst wurden. Und sie merken auch, wenn Bewertungen fingiert werden. Folgen auf einen negativen Kommentar direkt (siehe Datum) gute Bewertungen, könnten Außenstehende meinen, dass diese so platziert wurden, damit „oben“ immer etwas Positives steht. Dass ein Unternehmen aber gar nicht auf Kommentare reagiert, fällt das schon eher negativ auf.

10 Regeln zu einer guten und ehrlichen Stellungnahme
  1. Kommentiert jede Bewertung! Auch die Positiven. Die gute Erziehung sagt uns: Wir müssen auch mal “Danke“ sagen. Das kostet keine Überwindung und bringt Euch Respekt ein.
  2. Stellungnahmen immer von derselben Person! Idealerweise wäre das jemand aus der Personalabteilung. Muss aber nicht, wenn Ihr keine eigene habt. Das Gesicht nach außen sollte aber möglichst nicht ständig wechseln. Idealerweise ist die Person sogar die, die den Bewerbungsprozess begleitet. Das schafft Vertrauen und Wiedererkennung. Seid Ihr unsicher bei der Formulierung einer Stellungnahme? Dann holt Euch Hilfe. Vielleicht habt Ihr einen Redakteur in der Firma? Oder Ihr nutzt die Gelegenheit einen Mitarbeiter mit einer Weiterbildung im Bereich Konfliktmanagement o.ä. zu fördern. Das ist sehr gut investiertes Geld.
  3. Nicht kuschen! Nicht jede schlechte Bewertung muss voller Demut betrachtet werden. Bei unsachlichen, unkonkreten oder unfairen Äußerungen ist es Euch sehr wohl erlaubt, auch mal öffentlich Empörung oder Erstaunen zu äußern.
  4. Bietet Gesprächspartner an! An wen können sich Mitarbeiter wenden, wenn sie Probleme haben? Negative Bewertungen sind oft ein Ventil, um mal Dampf abzulassen. Das weiß ein Jobinteressierter natürlich oft nicht. Nennt Ihr aber in Eurer Stellungnahme Anlaufstellen, an die man sich mit seinem Anliegen wenden kann, schafft es ein wenig Vertrauen. Das könnte ein Betriebsrat, eine Vertrauensperson oder eine motivierte Personalabteilung sein. Und für Mitarbeiter kann so ein Hinweis eine Erinnerung sein, dass es sehr wohl Menschen gibt, mit denen ich reden kann.
  5. Zeitnahe Stellungnahmen! Viele Mitarbeiter und Interessierte abonnieren bei kununu die Neuigkeiten zum Unternehmen und werden umgehend informiert, wenn eine neue Bewertung auf der Plattform erscheint. Da muss jeder Personaler dran bleiben und auch zeitnah reagieren.
  6. Liebe Personalabteilung, frage nach! Schlechte Bewertungen kommen gehäuft aus derselben Abteilung? Das ist auffällig. Fragt unbedingt nach, was da los ist. Vielleicht gibt es einen plausiblen Grund bzw. ein Problem? Dann ist eine ehrliche Auseinandersetzung damit in einer Stellungnahme Gold wert. Wer gibt schließlich schon gerne Fehler zu? Und das auch noch nach außen? Das zeigt einen starken Firmencharakter.
  7. Keine Phrasen! Nutzt in den Stellungnahmen keine Worthülsen. Seid ehrlich und authentisch.
  8. Beleidigungen sind tabu! Und zwar von beiden Seiten. Zudem müsst Ihr es nicht hinnehmen, wenn Firmeninternas verbreitet werden. Jede Bewertung wird zwar vorab von kununu geprüft, oft sind die Grenzen aber schwammig. Ihr habt die Möglichkeit, eine Klärung oder Löschung zu beantragen, wenn die Begründung plausibel ist.
  9. Seid offensiv! Fordert all Eure Mitarbeiter auf, eine Bewertung abzugeben. Wenn Ihr das macht, dann seid Ihr im kununu-Olymp angekommen! Verfasst eine nette Rundmail (Vorsicht: Bitte mit sehr viel Fingerspitzengefühl schreiben) und bittet um eine ehrliche Bewertung. Das ist die Königsklasse. Traut Euch. Das Ergebnis kann positiv oder negativ sein. Es wird Euch aber auf jeden Fall schlauer machen und weiterbringen. In meinen Augen ist so etwas sinniger als jede Mitarbeiterumfrage, deren Auswertung dann doch nur in Form von Excel-Sheets und Maßnahmenplänen in der Schublade verschwindet. Wenn Ihr Euch das traut, dann ist ein großer Schritt geschafft, das Firmenklima mit Offenheit, Transparenz und Vertrauen zu prägen. Glückwunsch.
  10. Fingiert keine Bewertungen! Das kommt immer raus.

Ihr seht also, die Bewertungen bei kununu sind Eure Chance zur internen und externen Kommunikation. Ihr seid Personaler und in der Funktion “Menschen für Menschen“ unterwegs. Identifiziert Euch mit Eurem Job und kommuniziert mit den Menschen – auch bei kununu.

Kununu bietet noch viel mehr für Arbeitgeber. Heute habt Ihr das kleine 1×1 gelernt, wie Ihr mit wenig Zeiteinsatz und null Kosten das Mindeste im Bereich Employer Branding umsetzen könnt. Ihr habt keinen Einfluss darauf, das und was über Euch geschrieben wird. Aber Ihr habt die Chance, Geschriebenes zu relativieren und nach außen als Kümmerer wahrgenommen zu werden, dem die Meinung anderer eben nicht egal ist.


Das ist Recrutainment – Natürlich und mit Spaß!

 

Chancen und Risiken von kununu

Da frage ich mich doch glatt, wer sich diese dumme Überschrift ausgedacht hat. Risiken für Mitarbeiter, den Arbeitgeber zu bewerten? Hallo? Welche Risiken? 🙂

Aber fangen wir mal ganz vorne an. Es gibt sie schon seit einiger Zeit. Die Möglichkeit seinem Chef mal so richtig die Meinung zu geigen, ohne ihm dabei in die Augen schauen zu müssen. Und das auch noch anonym. Was für eine tolle Erfindung. Sie nennt sich Arbeitgeberbewertungsplattform. Da in meinen Augen nur eine ernstzunehmende dieser Plattformen im Netz existiert, werde ich im weiteren Verlauf auch nur von ihr sprechen. Welche? Ganz klar: Das unbeschriebene Blatt – besser bekannt als kununu.

Mittlerweile ist kununu nicht mehr so unbeschrieben wie noch vor ein paar Jahren, da dort schon über 1 Million Bewertungen zu lesen sind. Das sind doch mal Zahlen! Bewerten kann ich als Arbeitnehmer den Bewerbungsprozess des Unternehmens und auch das Feeling, dass ich als Mitarbeiter erlebe. Das ist für den aktuellen Job genauso möglich wie für verflossene Jobs. Zudem haben Azubis die Chance, ihre Ausbildung zu bewerten.

Die Kritik

Das Übel aller anonym abgegebenen Bewertungen ist natürlich die Glaubwürdigkeit. Wir Menschen neigen ja dazu, über Negatives schnell zu sprechen und dies auch dem Netz mitzuteilen. Das Positive wird eher seltener erwähnt. Das gilt natürlich nicht nur für kununu, sondern für alle Plattformen, die die Möglichkeiten einer Bewertung bieten. Ich denke aber immer, die Summe der Bewertungen bringt die Glaubwürdigkeit. Ich bin mir sicher, dass jeder in der Lage ist, die Informationen aus den Mitarbeitermeinungen für sich selber zu deuten und den richtigen Schluss zu ziehen. Kommen kritischere Stimmen vielleicht immer aus einer Abteilung? Dann scheint dort etwas im Argen zu sein. Bewertet ein Bewerber, der eine Absage bekommen hat? Dann könnte er auch einfach nur enttäuscht sein! Wichtiger wäre aber schon der Punkt: Nimmt das Unternehmen Stellung zu den Aussagen? Ja? Prima, dann setzt man sich mit Lob und Kritik auseinander. Nein? Dann ist es der Firma vielleicht egal, was über sie verbreitet wird. Oder sie haben noch nicht mitbekommen, dass es Kununu gibt. Beides wäre schlimm!

Für Euch habe ich zehn Tipps, wie Ihr eine gute Bewertung abgebt:
  1. Seid fair! Zur Firma, aber auch zu Euch. Aussagen, die aus einer Momentaufnahme heraus entstehen, sind meistens von vielen Emotionen geprägt und somit eher subjektiv. Damit Ihr Euch selber noch im Spiegel anschauen könnt, versucht objektiv zu sein. Ich weiß: Das ist manchmal echt schwer!
  2. Die Nennung von Namen ist nicht erlaubt. Ebenso sollte man nicht über eine Bewertung, Rückschlüsse auf eine konkrete Person ziehen können. Verstößt man gegen diese Regeln, wird die Bewertung erst gar nicht veröffentlicht.
  3. Geschäftsschädigende Aussagen und Hinweise zu Firmeninternas sind ebenfalls nicht möglich und bleiben unveröffentlicht.
  4. Den Bewerbungsprozess solltet ihr direkt nach “Abschluss“ bewerten. Egal, ob ihr die Stelle bekommen, selber abgesagt oder vom Unternehmen eine Absage bekommen habt: Hier ist eine zeitnahe Bewertung ein Muss, damit die Eindrücke noch frisch sind.
  5. Der richtige Zeitpunkt für eine Bewertung als Mitarbeiter (gleiches gilt für Azubis) ist da schon schwieriger! Bewertet man direkt nach Firmeneintritt, also sehr früh, blickt man noch durch die rosarote Brille. Damit ist man quasi frisch verliebt und nicht neutral. Eine Bewertung nach Verlassen der Firma führt wahrscheinlich zu einer sehr negativen Meinungsäußerung. Findet für Euch einfach den Zeitpunkt, der sich gut anfühlt. Wenn Ihr ehrlich und fair bleibt, dann gibt es sowieso nie den falschen Zeitpunkt!
  6. Negative Emotionen und Erfahrungen kann man natürlich in der Tat seinem Chef über Kununu mitteilen (die Frage ist, ob er sich dann auch angesprochen fühlt). Idealerweise sollte man aber erst mit seinem Senf nach außen treten, wenn reale Gespräche von Mensch zu Mensch nicht zum Erfolg geführt haben. Gebt Eurem gegenüber immer erst die Chance zu Themen, die Euch beschäftigen, Stellung zu nehmen!
  7. Nehmt die Vogelperspektive ein! Nur wenn ich an einer Sache etwas zu mäkeln habe, ist nicht gleich die ganze Welt schlecht. Daher überlegt, ob es auch Punkte gibt, die Euch begeistern? Dann gebt Eure Bewertung auch genauso ab – Ehrlich und fair!
  8. Loben ist erlaubt! Es ist nicht zu glauben, aber Ihr dürft auch nette Kommentare auf kununu hinterlassen!
  9. Kommentiert! Ihr habt die Möglichkeit zu verschiedenen Themen Punkte zu vergeben (1-5). Das ist schnell gemacht. Klick. Klick. Absenden. Idealerweise nehmt Ihr Euch die Zeit und ergänzt Eure Punkte auch noch mit Kommentaren. So können andere Leser Eure Meinung besser nachvollziehen.
  10. Das Wichtigste zum Schluss: Bitte bewertet! 9 von 10 Jobsuchenden schauen sich vor einer Bewerbung das jeweilige Unternehmen auf kununu an. Durch Eure Bewertung habt Ihr die Chance auf nette, neue Kollegen oder eben auch, diese zu “warnen“. Aber immer dran denken: Ehrlich und fair! Vielleicht seid Ihr selbst bald auf Jobsuche und dankbar für alle Informationen, die Ihr bei kununu finden könnt.

Ihr seht, dass es für Euch keine Risiken gibt, denn Ihr seid immer im Schutz der Anonymität. Und wenn Ihr bei der Bewertung die Regeln kurz überdenkt, dann werdet Ihr automatisch das Richtige tun!

Eure Chancen

Chancen hingegen habt Ihr einige. Ihr könnt Euren Arbeitgebern ein Feedback geben. Leider setzen sich viele Firmen erst mit Kritik auseinander, wenn sie öffentlich wird. Aber besser spät als nie. Und vor allem ist es wichtig, Jobinteressierten die Wahrheit zu sagen. Das entscheidet mitunter über “Da will ich auch arbeiten“ oder “Da lass ich besser die Finger von“. Und manchmal ist es auch einfach ein gutes Gefühl, seine Meinung mitzuteilen.

Löschung von Bewertungen

Arbeitgeber haben die Möglichkeit, Bewertungen löschen zu lassen. Das hört sich jetzt erst mal nach “Was? Das geht ja mal gar nicht an!“ Aber: Das geht zum Glück nicht einfach mal so. Dann wäre das ganze System ja für den Popo. Man muss kununu schon handfeste Gründe nennen, warum man an der Richtigkeit der Bewertung zweifelt. Gründe könnten sein, dass durch die Blume doch auf konkrete Personen oder Firmeninternas hingewiesen wird. Ein Unternehmen kann auch anzweifeln, dass es Mitarbeiter aus der eigenen Firma geschrieben haben. Für Euch wichtig zu wissen: Eure Bewertungen werden nicht gelöscht, sondern bis zur Klärung offline genommen. Ihr habt die Möglichkeit, Euer Geschreibsel nochmals zu überarbeiten. Manchmal wird man auch gebeten, einen Nachweis zu erbringen, dass man wirklich Mitarbeiter der Firma war/ist. Ich kann Euch aber versprechen: Es bleibt weiterhin anonym. Eine Firma hat null Chancen herauszufinden, wer hinter einer Bewertung steckt. Und das ist das Wichtigste! Ihr habt aber bestimmt auch Verständnis dafür, dass gewisse Sachverhalte überprüft werden müssen, denn im heutigen Zeitalter wäre es ein Einfaches, sich diverse Mailadressen zuzulegen, um mehrfach zu bewerten. Das wäre nicht nett! Ich weiß, dass Kununu da sehr gewissenhaft ist! Und an dieser Stelle sage ich: Danke kununu, dass es Euch gibt!

Ehrlich und fair und Ihr macht alles richtig!

Im nächsten Blogbeitrag erfahrt Ihr dann die Chancen und Risiken für Arbeitgeber


Das ist Recrutainment – Natürlich und mit Spaß!

 

Die Zeit ist reif!

Waaas? Wir haben schon 2016? Da bin ich wohl etwas spät dran, aber nun melde auch ich mich ins neue Jahr zurück. Ein Jahr, in das ich mit gemischten Gefühlen gestartet bin, sich aber bereits jetzt als gutes Jahr entpuppt. Warum? Nach 7 Jahren in einem festen, schönen und lehrreichen Job ist die Zeit gekommen, etwas Neues zu wagen. Nicht zuletzt durch die vielen tollen, netten und emotionalen Feedbacks zu meinem Blog und meiner Arbeit möchte ich mich noch mehr darauf konzentrieren, mein Wissen und meine Stärken einzusetzen. Daher befindet sich aktuell “Die Recrutainerin“ in Gründung zu einer eigenen, kleinen Minifirma. Ok, man nennt es auch Selbstständigkeit ;-). Das Whiteboard hängt schon an der Wand und ist voll gekritzelt. Und die Arbeit ist auch schon da. Man geht das schnell!

Danke!

Nun ist auch die Zeit gekommen, mich bei den Menschen zu bedanken, die mich in den letzten Jahren begleitet, ermutigt, runtergeholt, kritisiert, gefördert, bespaßt oder mich einfach in Ruhe gelassen haben :-). Ohne Euch wäre ich nicht da, wo ich bin. Danke!

So erreicht Ihr mich am Einfachsten

Ab sofort gilt bei mir nicht mehr nur, dass die Kontaktaufnahme via WhatsApp zu Fragen bei Stellenanzeigen möglich ist, sondern immer! Also speichert meine Nummer ein und fragt mich, wenn Ihr Probleme mit der Bewerbung habt, auf Jobsuche seid oder generelle Fragen habt. Andersrum gilt dies natürlich auch für Kunden, die Bewerber suchen, Beratung zur Arbeitgebermarke benötigen oder Hilfe in anderen HR-Themen suchen.

Hier gilt aber nicht das Motto “Die Nummer gegen Kummer“, sondern:

 

“Die Nummer zum Jobglück“: 0162 – 412 65 29

 

Bis Bald!


 

Das ist Recrutainment – Natürlich und mit Spaß!

Aktive Kandidatenansprache aus Sicht des Kandidaten perfekt zusammengefasst!

Diesen Profilspruch habe ich heute bei Xing gefunden. Ein Senior Developer, der sich, wie leider sehr viele, mit den täglichen Massenmails gedankenloser Recruiter rumschlagen muss. Ich finde seinen „Vier-Punkte-Plan“ genial und dem ist auch nichts mehr hinzuzufügen :-)!

You are looking for an employee? Then be professional: 1) Do not simply add me as a contact but send a message. 2) Provide meaningful details on the position, not the average profile I have seen a thousand times. 3) Be polite and check your spelling, I will ignore mass mailings. 4) I am not willing to relocate, so please focus on Cologne and its vicinity. Still here? Glad to make your acquaintance.

Ein Tag im Leben einer Recrutainerin

Recrutainer brauchen gaaanz viel Schlaf. Am Tage reden sie sooo viel und sind dann abends totaaaal müde. Sie geben im wachen Zustand alles, sind stets mit dem Herzen dabei und arbeiten mit ihren Emotionen. Sie begeistern, müssen analytisch und um die Ecke denken. Sie sind kreativ, lachen viel. Problemlöser und (nicht anerkannter) Psychotherapeut gehören ebenfalls zum Job. Im richtigen Moment zeigen sie sich dann aber sachlich und seriös. Das verlangt viel ab. Ja, ok, jedem Menschen verlangt der Job viel ab. Ich könnte auch einfach schreiben: Ich brauche viel Schlaf!

Der Morgen

Morgens gegen 8 Uhr geht es los. Mails sichten? Nö, erst mal blinzeln und mit dem ersten wachen Auge schauen, ob im Xing-Postfach eine Nachricht eingetrudelt ist. Gestern wurden ja schließlich auch fleißig Profile angeschrieben. Dann erst folgen die normalen Mails. Eine Tasse Ingwertee muss her und dann hält sich die Neugierde nicht mehr in Grenzen. Der Bewerbungseingang wird gesichtet. 19 Bewerbungen seit gestern Abend. Das reicht für die erste Tasse Tee. Das Screening dauert meistens nicht lange und schnell steht fest: Könnte passen – einladen; könnte vielleicht passen – noch eine Mail mit 1,2 Rückfragen stellen; passt leider nicht – absagen.

Kurz darauf steht die Kollegin mit 3 neuen Stellenanforderungen im Büro! Alles IT-Vakanzen? Oh je, und das so kurz vor Weihnachten. Das beschert keine ruhige Vorweihnachtszeit. Nein, das nicht, aber es ist wieder eine echte Herausforderung. Also kurz sammeln und überlegen: Wen kenne ich? Wen habe ich noch im Bewerberpool? Und wer könnte jemanden kennen, der wieder jemanden kennt usw… Der erste Kollege ist schnell gefunden, der wiederum jemanden kennt. Und mit einer netten Penetranz bekomme ich auch gleich eine Handynummer und whatsappe einen potenziellen Bewerber an mit dem Hinweis, dass der Kollege seine Nummer nur unter Androhung der Todesstrafe herausgegeben hat. Ein Kurzes hin und her reicht und schon sind die Beiden heute Abend auf einen Glühwein verabredet. Prima. Läuft. Unter Alkoholeinfluss findet „er“ die beschriebene Stelle bestimmt toll! Stelle eins schon mal verarztet.

Weiter geht es mit der nächsten Stelle. Hatte ich da nicht vor ein paar Monaten eine coole Bewerbung auf dem Tisch. Sympathisch und so „anders“, dass ich mich heute noch dran erinnern kann? Ja, hatte ich. Schnell raussuchen. Das geht mit einer zweiten Tasse Tee, diesmal in der Variante „Morgengruß“, gleich viel besser. Die Bewerbung ist schnell gefunden – es lebe die Zeit, die man sich für Ordnung am Arbeitsplatz nimmt. Über Xing bekomme ich sogar in Minutenschnelle eine Antwort. Schade, hat schon was Neues, aber er kennt auch wieder wen, der für uns interessant sein könnte. Und ich bekomme die nächste Handynummer, ohne fragen zu müssen. Sollte ich mit den Bankdaten auch mal versuchen! Eine WhatsApp genügt und für den Nachmittag ist ein erstes Telefonat vereinbart. Mittlerweile ist es 10 Uhr. Die Zeit vergeht. Schnell ein paar nette Mails verfassen und Bewerber informieren, dass wir sie kennenlernen möchten. „Wann habt Ihr Zeit?“ Das ist die große Frage. Als netter Arbeitgeber setzen wir ja keinem feste Termine vor die Nase, sondern fragen, wann der Bewerber kann!

Ach Mist, ich wollte doch noch in meinem Bewerberpool nachschauen, ob da nicht noch interessante Bewerbungen für die anderen neuen Stellen schlummern. Dann mal los. Joa 2,3 finde ich noch. Ich schreibe sie direkt an.

Dann endlich folgt die tägliche und geliebte Xing-Session: Verstecken spielen. Die Profile, die zu uns passen, haben sich, wie immer, gut versteckt. Ich muss sie nur noch finden. Toll, dass Xing dieses Spiel für uns Recrutainer erfunden hat! Jetzt brauch ich aber mal ein Glas Wasser für einen kühlen Kopf. Dann geht es los. Bis zur Mittagspause schreibe ich 5,6 Personen an. Waaas? Mehr nicht? Nein! Massenmails sind blöd. Und sich jedes Profil anschauen und entsprechend individuelle Texte schreiben, das braucht eben seine Zeit. Zwischendurch bimmelt das Handy immer mal wieder: „Eine neue WhatsApp-Nachricht“. Da gibt es Fragen zu unseren Stellenanzeigen. Die beantworte ich doch gerne und umgehend.

Der Mittag

Um 12.30 Uhr ruft der Magen nach was Leckerem. Heute stehen Austernpilz-Geschnetzeltes mit Reis auf dem Speiseplan. Lekka. Und beim Essen freut man sich immer noch ein Loch in den Bauch, dass die Beiden heute Abend Glühwein trinken gehen und fragt sich: Warum gehe ich eigentlich nicht mit?

Um 13 Uhr hat man das Essen dann endlich, am Ende kalt, verputzt. Wenn man ständig auf sein Handy schaut, in der Hoffnung es gibt schon die ersten Reaktionen bei Xing, kann das mit dem Aufessen schon mal länger dauern. Dann ab in die nächste Xing-Session. Die ersten Feedbacks trudeln ein und siehe da, für morgen gibt es gleich ein Telefonat! Freu! Zwischendrin werden immer wieder die Mails geprüft und Termine vereinbart. Meistens hüpft man hier und da auch mal voller Euphorie auf den Bürogang und erzählt dem Kollegen, dass man gerade DEN Kandidaten gefunden hat. Man nennt es auch den „Recrutainer-Tanz“. Wenn wir Recrutainer eins können, dann ist es, uns gemeinsam zu freuen und auch gemeinsam zu trauern.

Der Nachmittag

Um 15 Uhr muss ein Blümchenkaffee für neue Energie sorgen, denn jetzt geht der Tag für uns erst richtig los. Dann, wenn alle an den Feierabend denken, startet bei uns Recrutainern die heiße Phase: Die Zeit der Telefonate. Jetzt haben Interessenten Zeit, sich mit potenziellen neuen Arbeitgebern zu beschäftigen, fernab vom eigenen Bürostress. Also: Der Tag endet oft erst um 19-20 Uhr. Aber das ist nicht schlimm! Macht ja Spaß!

Der Abend

Und am Abend, wenn man zur Ruhe kommt, drehen sich die Gedanken die ganze Zeit um diesen Glühwein. Also, schnell zum Herd, selber einen warm machen, genießen und warten, dass bei WhatsApp die erlösende Nachricht kommt: „Kumpel ist jetzt blau, will sich die Stelle bei uns aber anschauen!“

Und kurz bevor das Licht ausgeht und alle im Haus schon schlafen, linst man noch ein letztes Mal aufs Handy. „Ach guck, bei Xing hat sich jemand gemeldet!“ Mit dem wohligen Gefühl der Recrutainer-Befriedigung fällt man in einen tiefen, festen Schlaf.


Das ist Recrutainment – Natürlich und mit Spaß!

10 Tipps für eine (fast) perfekte Bewerbung!

Gibt es eigentlich die perfekte Bewerbung? „Nein!“ Mit diesem Statement könnte ich den Artikel jetzt eigentlich beenden, aber wie immer muss ich noch ein bisschen mehr Senf dazugeben. Die Frage nach der perfekten Bewerbung ist eine der häufigsten, die ich so gestellt bekomme. Nirgends im Bewerbungsprozess scheinen Bewerber und Personaler sich bisher so einig zu sein: Je förmlicher und seriöser, desto höher die Chance, dass man in den weiteren Bewerbungsprozess kommt. Manchmal wundere ich mich schon, dass es für Bewerbungen noch keine ISO-Zertifizierungen gibt :-).

Der Ist-Zustand

Also halten wir kurz inne und werden uns des Ist-Zustandes bewusst: Klassischerweise werden in einer Bewerbung Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse erwartet. Der Spielraum für Kreativität, Persönlichkeit und das wahre Ich des Bewerbers haben dort meistens nicht viel Platz. Selbst in einem Anschreiben werden in der Regel nur die bekannten Floskeln verwendet. Hält man sich an diese Vorgaben, macht man zumindest nichts falsch, jedoch sticht man aus der Bewerbermasse auch nicht wirklich hervor.

Wie die perfekte Bewerbung also auszusehen hat, hängt (leider) von vielen Faktoren ab. Gehört man zu den „Top-Fachkräften“, die überall händeringend gesucht werden (hier verweise ich mal auf einen interessanten Artikel, wer denn diese „Top-Fachkräfte“ sind), dann würde sicherlich ein leeres Blatt ausreichen, auf dem steht: Ich bin Entwickler. Ich kann Java. Das alleine führt bei vielen Personalern zu hektischen roten Flecken, denn man hat ja vielleicht einen Java-Entwickler gefunden. Möchte man vielleicht eine Stelle bekommen, die erfahrungsgemäß von vielen Bewerbern heiß begehrt ist, dann ist der eher klassische Weg, den ich oben beschrieben habe, der richtige (bspw. als Assistentin). Ist man Mediengestalter, kämpft man mit hunderten von anderen seines Berufsbildes um eine freie Stelle. Hier gilt die Devise: Auffallen! Und das ist dann sogar erwünscht, denn von einem kreativen Menschen erwartet man eine kreative Bewerbung.

Weitere Einflussfaktoren

Hinzu kommen noch Faktoren wie: Bewerbe ich mich auf eine ausgeschriebene Stelle oder initiativ? Oder bereite ich meine Unterlagen nur vor, weil ich von einem Recruiter aktiv auf eine Stelle angesprochen wurde und meine Vita nun zur Verfügung stellen möchte. Ihr seht: So einfach kann man die perfekte Bewerbung nicht definieren, es gibt zu viele Einflussfaktoren.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Bewerbung ein Kommunikationsmittel ist. Zwei Menschen „reden“ miteinander. Kommunikation ist ja bekannter Weise eine Sache für sich. Zwischen Erwartung, persönlichen Empfindungen und der Sache an sich liegen oft Welten.

Eins haben allen Szenarien aber gemeinsam: Es agieren Menschen. Menschen haben Emotionen. Sie können sich freuen wie kleine Kinder und sie können lachen. Da ich einen emotionalen Ansatz in der Personalwelt lebe und mir dies auch mehr und mehr im Recruitingprozess wünsche, habe ich Euch die wichtigsten Punkte auf dem Weg zu einer vielleicht perfekten Bewerbung zusammengestellt. Diese Punkte gelten insbesondere für die, die aktiv einen Job suchen und sich selber um eine Arbeitsstelle bemühen. Alle anderen können sich entspannt zurücklehnen, denn wer aktiv auf einen Job angesprochen wird, kann mit seinen Bewerbungsunterlagen nicht mehr viel falsch machen. Ein Anschreiben braucht man dann schon mal gar nicht. Wenn aktiv um einen „gebuhlt“ wird, gibt es keinen Grund mehr zu erklären, warum man der Beste, Tollste und Schönste ist. Für alle anderen gilt:

Mit 10 Punkten auf dem Weg zur perfekten Bewerbung
  1. Bewerbungs-No-Go!

    Es gibt nichts Schlimmeres als Rechtschreibfehler und Formatierungsfehler. Auch wenn diese menschlich sind und sicherlich mal passieren können: Sucht man einen Job, sollten Fehler nicht passieren! Fragt gute Freunde, die einen Blick auf die Unterlagen werfen können. Fehler dieser Art sind schon etwas respektlos dem gegenüber, der die Bewerbung dann lesen soll. Man stellt sich zwangsläufig die Frage, ob davon auszugehen ist, dass der Bewerber im Job auch so arbeitet? Was auch nervt, sind bspw. Lebensläufe, die mit einer leeren weißen Seite enden. Da hat dann wohl jemand vergessen, diese raus zu löschen.

  2. Die Bewerbungsform!

    Bitte, bitte, bitte: Keine Bewerbungen per Post! Wir arbeiten heute alle digital, demnach sind auch alle Prozesse digital. Bewerbungsmappen haben dort nichts verloren. Stellt Euch vor, wie viel Zeit verloren geht, wenn man Unterlagen per Hauspost durch ein Unternehmen jagt! Papier ist zwar geduldig, aber da hört meine Geduld dann auf. Daher schenke ich dieser Bewerbungsform auch keine Aufmerksamkeit mehr – vom Umweltschutz mal ganz abgesehen.

  3. Der Lebenslauf! 

    In einem gut zu lesenden Lebenslauf sollte die aktuelle Tätigkeit immer ganz oben stehen und die Vita chronologisch absteigend sein. Personaler ticken so. Außerdem sind Angaben zum Familienstand (gerne darf man auch die Namen der Kinder angeben) und zu Hobbys gerne gesehen. Das gibt die persönliche Note! Natürlich sind die Angaben nicht ausschlaggebend, wenn es um eine Entscheidung geht, aber im Falle eines Termins bietet es eine tolle Gesprächsgrundlage und macht Euch menschlicher.

  4. Das Bewerbungsbild!

    Ich persönlich kann die Diskussion rund um das Thema „Anonymisierte Bewerbungen“ nicht mehr hören. Sicherlich kann man eine fachliche Chancengleichheit herstellen, aber heutzutage ist das Fachliche nicht alleine einstellungsentscheidend! Es sind die sozialen Skills, der Mensch, der immer mehr auch als solcher im Job gesehen wird. Und das ist auch gut so. Sympathien spielen, privat UND beruflich NATÜRLICH eine Rolle. Also: Bitte immer mit Bild bewerben. Das gibt der Geschichte, die Du in Deiner Bewerbung erzählen möchtest, ein Gesicht!

  5. Die Bewerbungsdatei!

    Ich mach es an der Stelle kurz. Fügt bitte Eure komplette Bewerbung als eine PDF-Datei zusammen. Das Durchklicken von unzähligen Anhängen hat noch keinem Spaß gemacht. Gebt der Datei einen einfachen Namen wie „Bewerbung Christiane Beulen“.

  6. Das Bewerbungsanschreiben!

    Hier könnte ich einen eigenen Blogbeitrag zu schreiben (gute Idee, hole ich nach :-)). Bitte verwendet keine Floskeln. Schreibt die Person, die namentlich als Ansprechpartner erwähnt wird, auch mit ihrem Namen an. Der, der die Bewerbung liest, sollte unbedingt das Gefühl haben, dass Ihr auch genau mit ihm kommuniziert – quasi als wäre es die einzige Bewerbung, die Ihr verschickt habt. Ein Massenanschreiben langweilt und nervt irgendwann auch. Daher: Werdet hier gerne kreativ, bezieht Euch auf Punkte in der Stellenanzeige und vermeidet Konjunktive wie „Ich würde mich freuen, Sie persönlich kennenzulernen“. Würdet Ihr Euch freuen? Nein, Ihr freut Euch! Also schreibt es auch so. Wenn Ihr damit Probleme habt: Es gibt auch Firmen, die sich auf das Schreiben von Bewerbungen spezialisiert haben oder es als Dienstleistung anbieten (Ticonex  oder Bewerbungsschreiber).

  7. Die dritte Seite!

    Hä? Was für eine dritte Seite? Ja, so nennt man die Seite, die nach dem Anschreiben und nach dem Lebenslauf folgt (folgen kann). Das ist kein Muss, ich liebe sie aber. Hier könnt Ihr mal so richtig auf den Putz hauen, was Eure Person angeht. Und: Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Inhaltlich und optisch darf es bunt werden.

  8. Du in der Bewerbung!

    Wer Euch in der Stellenanzeigt duzt, den dürft Ihr auch duzen. Ganz einfach. Werdet Ihr gesiezt? Dann wäre das Sie als Antwort die richtige Wahl.

  9. Die Bewerbungsanhänge!

    Damit meine ich das ganze Papiergedöns, das Ihr im Laufe Eures Berufslebens gesammelt habt (Zertifikate, Bescheinigungen, Zeugnisse, Beurteilungen). Gehört das alles in die Bewerbung? Von mir ein klares nein! Ich habe vor kurzem eine Bewerbung erhalten mit 56 Seiten. War dann schon eher ein Buch :-). Personaler interessiert das, was möglichst aktuell ist. Bei Azubis sollten die letzten beiden Schulzeugnisse beigefügt sein. Bei „Älteren“ die letzten beiden Arbeitszeugnisse. In der Summe finde ich, dass die Anzahl der Unterlagen einstellig bleiben sollte. Vielleicht fügt Ihr noch die Anhänge bei, die Euch persönlich wichtig sind. Das Abizeugnis interessiert 15 Jahre später auch nur noch wenig. Ansonsten melden sich die Personaler auch, wenn sie „mehr“ sehen wollen.

  10. Die Bewerbungsmail!

    Insofern Ihr ein individuelles Anschreiben getextet habt, gibt es zwei Möglichkeiten: Variante A: Das Anschreiben fällt aus dem Bewerbungs-PDF raus und wird der Text in Eurer E-Mail. Variante B: Das Anschreiben bleibt, wo es ist. Dann reicht es aus, in der E-Mail 1,2 kurze Sätze an den Personaler zu richten. Viele Bewerber haben den Text doppelt drin, sowohl in der Mail als auch im PDF, das wäre dann ein Mal zu viel!

Ja, wie Ihr seht: Zu diesem Thema könnte ich wohl wirklich ein Buch schreiben. Da werden auch 10 Tipps schon mal ein paar Sätze mehr. Die Bewerbung ist nun mal der erste Eindruck und entsprechend viel Mühe sollte man sich hier auch geben. Wenn Euch das Thema aber zu heikel ist, dann greift lieber auf professionelle Hilfe zurück. Das ist sogar steuerlich absetzbar und hilft Euch, schneller an den Traumjob zu kommen. Zudem können Profis besser einschätzen und entsprechend beraten, wie kreativ und „anders“ eine Bewerbung sein darf, weil sie Euch und Eure Wünsche kennenlernen. Ansonsten: Traut Euch was! 🙂

(Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwende ich die maskuline Form in meinem Text.)


Das ist Recrutainment – Natürlich und mit Spaß!