Schlechtes Beispiel für Recruiting!

Ein toller Artikel, den ich Euch hier zeigen möchte! Er spricht mir aus dem Herzen, der Seele und dem Rest von mir :-)! Leider sieht die Wahrheit genau so aus und die Zeilen entsprechen genau meinen Erfahrungen. Wenn ich im Netz potenzielle neue Mitarbeiter anspreche, dann erhalte ich als Antwort oft: Danke, dass Du Dir die Mühe machst und mich individuell anschreibst. Ansonsten hätte ich auch nicht geantwortet. Einheitsbrei ist einfach langweilig und vor allem führt es nicht zum Ziel! Also: Seid lieb zu Euren Bewerbern!

 

http://t3n.de/news/it-recruiting-fuer-recruiter-622588/

Beeindruckend, wie sehr sich eine Stellenanzeige anstellen kann!

Für mich ist die Stellenanzeige das größte Rätsel in der HR-Landschaft. Man kann nirgends so viele Menschen vergraulen wie mit einer falschen Stellenanzeige. Aber fangen wir mal vorne an.

Die Anfänge

Ich als nicht “gelernte“ HRlerin habe mir natürlich in meinen Anfangszeiten bei anderen Unternehmen abgeschaut, wie eine echte deutsche Jobanzeige auszusehen hat. Konservativ, höchst sachlich und bitte ohne jegliche Zugabe von Emotionen. Bewerberabschreckend eben. Aber da ich es nicht anders wusste, habe ich mich natürlich dem Grau in Grau der Texte angepasst, weil „macht man eben so“. Zwischendurch hatte ich dann immer mal Geistesblitze und habe mir Fragen gestellt wie: Muss man als Anforderung wirklich Teamfähigkeit niederschreiben oder Freundlichkeit explizit erwähnen? Wer sagt denn schon von sich, dass er ein ungehobelter und schlecht erzogener Egozentriker ist, der das autistische Dasein fernab von menschlichem Miteinander schätzt? Ja, vielleicht gibt es solche Menschen! Aber möchte ich diesen kleinen Personenkreis jetzt ansprechen oder suche ich eher die Personen, für die Freundlichkeit und Teamfähigkeit das Normalste der Welt sind. Die, für die ein harmonisches und freundschaftliches Miteinander das A und O im Job ist? An dieser Stelle sei nämlich mal aus dem Recrutainer-Nähkästchen geplaudert: Nach knapp 1000 Bewerbergesprächen habe ich bis heute niemanden gefunden, der Gehalt oder fachliche Inhalte an den zukünftigen Job als Erstes nennt, wenn ich denn nach dem “Traumjob“ frage. Es sind eben die weichen Faktoren, die unsere Generation glücklich machen: Gute Atmosphäre, Teamzusammenhalt und das Gefühl, gerne seinen Job zu machen. Wir gehen zur Arbeit, weil aus Kollegen Freunde werden (können).

Die Bullet-Points

Der nächste Punkt, der ganz klar unter die Rubrik No-Go fällt, ist, das Anforderungsprofil an die Bewerber im Bullet-Point-Style zu verfassen. Bei meinen Recherchen zu Stellenanzeigen fand ich doch wirklich eine, bei der ein Unternehmen 14 Bullet-Points aufzählte. 14, meist fachliche, Kriterien muss man als Bewerber auch erst mal erfüllen. Ich war schon nach Punkt 5 verschreckt! Ich empfinde diese Variante der Stellenanzeige als höchst respektlos! Haben wir denn nicht alle im Deutschunterricht gelernt, dass ein Satz aus Subjekt, Prädikat und Objekt besteht? Und wir, als Arbeitgeber, bringen unseren potenziellen neuen Mitarbeitern nicht einmal den Respekt entgegen, in ganzen Sätzen mit ihnen im ersten Kontakt zu kommunizieren? Unglaublich. Das wäre in etwa so, als würde ein Unternehmen auf seine Werbebanner schreiben: Lieber Kunde da draußen, kauf lieber bei der Konkurrenz. Denn wir wissen nicht, wie man mit Kunden richtig umgeht. Dass so eine Respektlosigkeit dann auch noch aus Personalabteilungen kommt, ist eigentlich schon Ironie – dort, wo man sich besonders um Menschen kümmert. Ist klar!

Wie macht man es besser?

Aber wieder zurück zur Stellenanzeige. Das Gefühl in mir reifte, dass hier etwas falsch läuft. Es fiel mir irgendwann richtig schwer, diese bürokratischen Anzeigen im Stil von „haben wir immer schon so gemacht“ zu verfassen und ich fragte mich mal wieder: Christiane, was würde Dich denn anmachen? Die Antwort war schnell klar. Ich würde mir als Bewerber eine Anzeige wünschen, die mich als Menschen sieht und mich auch etwas zum schmunzeln bringt, denn auch ich lege Wert auf die bereits genannten weichen Faktoren. Abschreckende Aufzählungen von kilometerlangen Anforderungspunkten sollten Texten weichen, die Lust machen, das Unternehmen kennenzulernen. Natürlich gibt es immer Menschen, die mir da widersprechen und weiterhin an Altbewährtem festhalten. Das ist auch völlig ok, denn jeder muss seinen Weg finden. Ich kann nur immer wieder betonen, dass es für die Arbeitgebermarke von großem Vorteil ist. Vor allem aber für die Menschen, denn ein wenig Respekt hat auch im Bewerbungsprozess noch nie geschadet.

Feedbacks von Bewerbern:

„Der unverkrampfte und frische Umgangston in Eurer Stellenanzeige hat mich begeistert!“

„Wow, selten hat mich eine Stellenanzeige so in seinen Bann gezogen.“

„So eine Stellenanzeige habe ich bisher noch nie gesehen. Sehr gut.“

Eigentlich ist es so einfach, eine Stellenanzeige zu konzipieren, die sich eben nicht anstellt. Ob nun im Du-Style (wie bei mir) oder im Sie-Style geschrieben.

 Tipp:

  1. Sucht keine eierlegenden Wollmilchsäue. Haltet die Texte vom Berufserfahrungsgrad eher offen, so erweitert Ihr den Bewerberkreis und vielleicht ist das ein oder andere Talent dabei!
  2. Denkt an “Subjekt, Prädikat und Objekt“. Bildet ganze Sätze, denn in eben diesen Sätzen schwingt so viel von Eurer Unternehmenskultur mit – Employer Branding!
  3. Skills, die man einem Menschen mit einigermaßen guter Erziehung voraussetzt, sollten außen vor bleiben. Konzentriert Euch lieber auf die wirklich wichtigen Fähigkeiten, die Eure Stelle vielleicht auch besonders machen!

Das ist Recrutainment – Natürlich und mit Spaß!