Chancen und Risiken von kununu

Da frage ich mich doch glatt, wer sich diese dumme Überschrift ausgedacht hat. Risiken für Mitarbeiter, den Arbeitgeber zu bewerten? Hallo? Welche Risiken? 🙂

Aber fangen wir mal ganz vorne an. Es gibt sie schon seit einiger Zeit. Die Möglichkeit seinem Chef mal so richtig die Meinung zu geigen, ohne ihm dabei in die Augen schauen zu müssen. Und das auch noch anonym. Was für eine tolle Erfindung. Sie nennt sich Arbeitgeberbewertungsplattform. Da in meinen Augen nur eine ernstzunehmende dieser Plattformen im Netz existiert, werde ich im weiteren Verlauf auch nur von ihr sprechen. Welche? Ganz klar: Das unbeschriebene Blatt – besser bekannt als kununu.

Mittlerweile ist kununu nicht mehr so unbeschrieben wie noch vor ein paar Jahren, da dort schon über 1 Million Bewertungen zu lesen sind. Das sind doch mal Zahlen! Bewerten kann ich als Arbeitnehmer den Bewerbungsprozess des Unternehmens und auch das Feeling, dass ich als Mitarbeiter erlebe. Das ist für den aktuellen Job genauso möglich wie für verflossene Jobs. Zudem haben Azubis die Chance, ihre Ausbildung zu bewerten.

Die Kritik

Das Übel aller anonym abgegebenen Bewertungen ist natürlich die Glaubwürdigkeit. Wir Menschen neigen ja dazu, über Negatives schnell zu sprechen und dies auch dem Netz mitzuteilen. Das Positive wird eher seltener erwähnt. Das gilt natürlich nicht nur für kununu, sondern für alle Plattformen, die die Möglichkeiten einer Bewertung bieten. Ich denke aber immer, die Summe der Bewertungen bringt die Glaubwürdigkeit. Ich bin mir sicher, dass jeder in der Lage ist, die Informationen aus den Mitarbeitermeinungen für sich selber zu deuten und den richtigen Schluss zu ziehen. Kommen kritischere Stimmen vielleicht immer aus einer Abteilung? Dann scheint dort etwas im Argen zu sein. Bewertet ein Bewerber, der eine Absage bekommen hat? Dann könnte er auch einfach nur enttäuscht sein! Wichtiger wäre aber schon der Punkt: Nimmt das Unternehmen Stellung zu den Aussagen? Ja? Prima, dann setzt man sich mit Lob und Kritik auseinander. Nein? Dann ist es der Firma vielleicht egal, was über sie verbreitet wird. Oder sie haben noch nicht mitbekommen, dass es Kununu gibt. Beides wäre schlimm!

Für Euch habe ich zehn Tipps, wie Ihr eine gute Bewertung abgebt:
  1. Seid fair! Zur Firma, aber auch zu Euch. Aussagen, die aus einer Momentaufnahme heraus entstehen, sind meistens von vielen Emotionen geprägt und somit eher subjektiv. Damit Ihr Euch selber noch im Spiegel anschauen könnt, versucht objektiv zu sein. Ich weiß: Das ist manchmal echt schwer!
  2. Die Nennung von Namen ist nicht erlaubt. Ebenso sollte man nicht über eine Bewertung, Rückschlüsse auf eine konkrete Person ziehen können. Verstößt man gegen diese Regeln, wird die Bewertung erst gar nicht veröffentlicht.
  3. Geschäftsschädigende Aussagen und Hinweise zu Firmeninternas sind ebenfalls nicht möglich und bleiben unveröffentlicht.
  4. Den Bewerbungsprozess solltet ihr direkt nach “Abschluss“ bewerten. Egal, ob ihr die Stelle bekommen, selber abgesagt oder vom Unternehmen eine Absage bekommen habt: Hier ist eine zeitnahe Bewertung ein Muss, damit die Eindrücke noch frisch sind.
  5. Der richtige Zeitpunkt für eine Bewertung als Mitarbeiter (gleiches gilt für Azubis) ist da schon schwieriger! Bewertet man direkt nach Firmeneintritt, also sehr früh, blickt man noch durch die rosarote Brille. Damit ist man quasi frisch verliebt und nicht neutral. Eine Bewertung nach Verlassen der Firma führt wahrscheinlich zu einer sehr negativen Meinungsäußerung. Findet für Euch einfach den Zeitpunkt, der sich gut anfühlt. Wenn Ihr ehrlich und fair bleibt, dann gibt es sowieso nie den falschen Zeitpunkt!
  6. Negative Emotionen und Erfahrungen kann man natürlich in der Tat seinem Chef über Kununu mitteilen (die Frage ist, ob er sich dann auch angesprochen fühlt). Idealerweise sollte man aber erst mit seinem Senf nach außen treten, wenn reale Gespräche von Mensch zu Mensch nicht zum Erfolg geführt haben. Gebt Eurem gegenüber immer erst die Chance zu Themen, die Euch beschäftigen, Stellung zu nehmen!
  7. Nehmt die Vogelperspektive ein! Nur wenn ich an einer Sache etwas zu mäkeln habe, ist nicht gleich die ganze Welt schlecht. Daher überlegt, ob es auch Punkte gibt, die Euch begeistern? Dann gebt Eure Bewertung auch genauso ab – Ehrlich und fair!
  8. Loben ist erlaubt! Es ist nicht zu glauben, aber Ihr dürft auch nette Kommentare auf kununu hinterlassen!
  9. Kommentiert! Ihr habt die Möglichkeit zu verschiedenen Themen Punkte zu vergeben (1-5). Das ist schnell gemacht. Klick. Klick. Absenden. Idealerweise nehmt Ihr Euch die Zeit und ergänzt Eure Punkte auch noch mit Kommentaren. So können andere Leser Eure Meinung besser nachvollziehen.
  10. Das Wichtigste zum Schluss: Bitte bewertet! 9 von 10 Jobsuchenden schauen sich vor einer Bewerbung das jeweilige Unternehmen auf kununu an. Durch Eure Bewertung habt Ihr die Chance auf nette, neue Kollegen oder eben auch, diese zu “warnen“. Aber immer dran denken: Ehrlich und fair! Vielleicht seid Ihr selbst bald auf Jobsuche und dankbar für alle Informationen, die Ihr bei kununu finden könnt.

Ihr seht, dass es für Euch keine Risiken gibt, denn Ihr seid immer im Schutz der Anonymität. Und wenn Ihr bei der Bewertung die Regeln kurz überdenkt, dann werdet Ihr automatisch das Richtige tun!

Eure Chancen

Chancen hingegen habt Ihr einige. Ihr könnt Euren Arbeitgebern ein Feedback geben. Leider setzen sich viele Firmen erst mit Kritik auseinander, wenn sie öffentlich wird. Aber besser spät als nie. Und vor allem ist es wichtig, Jobinteressierten die Wahrheit zu sagen. Das entscheidet mitunter über “Da will ich auch arbeiten“ oder “Da lass ich besser die Finger von“. Und manchmal ist es auch einfach ein gutes Gefühl, seine Meinung mitzuteilen.

Löschung von Bewertungen

Arbeitgeber haben die Möglichkeit, Bewertungen löschen zu lassen. Das hört sich jetzt erst mal nach “Was? Das geht ja mal gar nicht an!“ Aber: Das geht zum Glück nicht einfach mal so. Dann wäre das ganze System ja für den Popo. Man muss kununu schon handfeste Gründe nennen, warum man an der Richtigkeit der Bewertung zweifelt. Gründe könnten sein, dass durch die Blume doch auf konkrete Personen oder Firmeninternas hingewiesen wird. Ein Unternehmen kann auch anzweifeln, dass es Mitarbeiter aus der eigenen Firma geschrieben haben. Für Euch wichtig zu wissen: Eure Bewertungen werden nicht gelöscht, sondern bis zur Klärung offline genommen. Ihr habt die Möglichkeit, Euer Geschreibsel nochmals zu überarbeiten. Manchmal wird man auch gebeten, einen Nachweis zu erbringen, dass man wirklich Mitarbeiter der Firma war/ist. Ich kann Euch aber versprechen: Es bleibt weiterhin anonym. Eine Firma hat null Chancen herauszufinden, wer hinter einer Bewertung steckt. Und das ist das Wichtigste! Ihr habt aber bestimmt auch Verständnis dafür, dass gewisse Sachverhalte überprüft werden müssen, denn im heutigen Zeitalter wäre es ein Einfaches, sich diverse Mailadressen zuzulegen, um mehrfach zu bewerten. Das wäre nicht nett! Ich weiß, dass Kununu da sehr gewissenhaft ist! Und an dieser Stelle sage ich: Danke kununu, dass es Euch gibt!

Ehrlich und fair und Ihr macht alles richtig!

Im nächsten Blogbeitrag erfahrt Ihr dann die Chancen und Risiken für Arbeitgeber


Das ist Recrutainment – Natürlich und mit Spaß!

 

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar